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Frauen laufen: Das war nicht immer so

Ein historischer Blick auf die Frauenlauf-Bewegung anlässlich des 35-jährigen Jubiläums des AVON Frauenlauf Berlins

14.05.2018

Titel von Spiridon Ende 1977, dem damals einzigen deutschen Laufmagazin. Es erschien erstmals 1975, zunächst sechsmal im Jahr. Herausgeber waren Manfred Steffny und Dr. Ernst van Aaken
© Archiv MarathonMedia

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Von Thomas Steffens, SCC EVENTS

Bis 1972 war die 800-m-Strecke die längste Wettkampfdistanz für Frauen bei internationalen Meisterschaften, bei den Olympischen Spielen von München 1972 kam die 1.500-m-Strecke dazu, 1974 liefen Frauen erstmals 3.000 m (Europameisterschaften in Rom), 1984 kam der Marathon dazu (bereits 1982 bei den Europameisterschaften im Programm). Vorurteile bzw. Fehlurteile von Medizinern und Sportwissenschaftlern waren der Grund dafür, dass Frauen der Zugang zu Langstrecken-Wettkämpfen so lange verwehrt blieb. Hintergrund war ein Vorfall bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam. Presseorgane hatten berichtet, dass etliche Frauen im Finale dieses Wettbewerbs kollabiert seien. Obwohl sich dies als Ente herausstellte, änderte es nichts an dem Urteil der Funktionäre, Frauen seien ungeeignet, längere Strecken zu laufen. Unvorstellbar in der heutigen Zeit, waren Haltungen wie diese damals normal, zumal im Sport, wo bis weit in die Sechziger Jahre noch nach streng bürokratischem um nicht zu sagen militärischem Usus gehandelt und beschlossen wurde. So waren Langstrecken-Wettbewerbe wie Cross- oder Waldläufe oder gar Marathons nur für Mitglieder von Sportvereinen zugänglich.

Das änderte sich Anfang der Sechziger Jahre in Deutschland mit der Volkslaufbewegung, initiiert von Otto Hosse im donauschwäbischen Bobingen, der 1963 den ersten Volkslauf ins Leben rief, an dem jedermann und jede Frau teilnehmen konnte. Dort wurden 12 km zurückgelegt. Vorbild waren die Waffen- und Geländeläufe in der Schweiz, die aus der Militärsportbewegung hervorgegangen waren. Ein Jahr später fand in Berlin erstmals ein Crosslauf statt, bei dem Horst Milde mit einigen Berliner Kommilitonen eine Idee aus Frankreich importierte, wo solche Läufe sehr populär waren. Später gründete Horst Milde aus der Leichtathletik-Abteilung des SC Charlottenburg heraus 1974 den BERLIN-MARATHON und zehn Jahre später den ersten Berliner Frauenlauf, unterstützt durch das Kosmetik-Unternehmen AVON.

Wenn heute die Teilnahme der Lauf-Pionierin Katherine Switzer beim nur den Männern vorbehaltenen Boston-Marathon 1967 in aller Welt als Durchbruch gefeiert wird, sollte nicht unvergessen bleiben, dass es ein Marathon im Schwarzwald war, bei dem erstmals Frauen ganz offiziell teilnehmen konnten. Der Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen (bei Donaueschingen) wurde übrigens von Schweizer Skilangläufern initiiert, die im Herbst einen Fitness-Test für die anstehende Skisaison brauchten. Den Lauf gibt es heute noch, er feiert dieses Jahr seine 51. Auflage. Switzer war auch nicht die erste Frau, die den Boston-Marathon absolvierte. 1966 lief die US-Amerikanerin Roberta Gibb beim traditionsreichsten Marathon der Welt und erreichte auch das Ziel, allerdings inkognito, d.h. ohne Startnummer. (Switzer hatte sich mit den Initialien ihres Vornamens eingetragen.)

Die größten Verdienste um die Entwicklung des Frauenlaufs gebühren dem Waldnieler Arzt und Langstreckentrainer Ernst van Aaken, medial unterstützt vom ehemaligen Marathon-Olympiateilnehmer und Leichtathletik-Journalisten Manfred Steffny. 1973 veranstaltete er den ersten Marathon nur für Frauen und war damit ein weltweiter Wegbereiter, unter anderem auch dafür, dass der Frauen-Marathon schließlich 1984 erstmals auf dem Olympischen Programm stand (Los Angeles).

Katherine Switzer war es, die in den USA dafür sorgte, dass Frauenläufe ins Leben gerufen wurden. Unterstützt von Kosmetik-Unternehmen (Bonne Bell, AVON) fanden 10-km-Läufe statt, die später in eine internationale Serie mündeten, unter anderem auch 1984 in Berlin sowie anderswo in Europa. Der erste Frauenlauf in den USA war der „Bonne Bell Mini Marathon“ über 10 km in New York im Juni 1977, wo auf Anhieb über 2.000 Frauen mitmachten. 53 kamen unter 40 min ins Ziel, 391 unter 50 min und 1.066 in weniger als einer Stunde!

Ein eindrückliches Bild darüber, welchen exotischen Touch der Langstreckenlauf für Frauen in der damaligen Zeit hatte, bietet der Beitrag in der ZDF Sportreportage vom 22. September 1974.

Im Laufe der Achtziger Jahre und mit dem ersten Boom des Laufens entwickelte sich auch der Frauenlauf rasant. Bald schon liefen Veranstaltungen in Schweden, der Schweiz, Norwegen und Irland den USA den Rang in Sachen Teilnehmerzahlen ab. Der Schweizer Frauenlauf in Bern war Ende der Achtziger Jahre mit 17.000 Teilnehmerinnen der größte seiner Art in Mitteleuropa, in Stockholm stiegen die Teilnehmerzahlen im Laufe der Neunziger Jahre auf über 20.000 an (2011 waren es 30.000), die Frauenläufe von Oslo und Dublin rangieren ebenfalls weltweit  im Vorderfeld.

Der AVON Frauenlauf Berlin, der am 26. Mai zum 35. Mal stattfindet, kam um die Jahrtausendwende „aus dem Knick“, was die Teilnehmerinnenzahl betrifft. Waren es 1999 noch 4.362, wurde 2003 erstmals die Marke von 10.000 überschritten. Zurück in die USA: Die Premiere des Rock´n´Roll San Diego Marathons 1998 war nicht nur ein Weltrekord in Sachen Teilnahme bei einer Marathon-Premiere (28.000). 49 Prozent davon waren Frauen, ebenfalls eine Rekordmarke.

In den USA machen Frauen mittlerweile gut die Hälfte des Teilnehmerfeldes bei den großen Marathonläufen aus. In Deutschland sind es immer noch deutlich weniger. Beim letzten BMW BERLIN-MARATHON betrug der Frauenanteil der deutschen Teilnehmer 24 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil der chinesischen Teilnehmerinnen in Berlin betrug 34 Prozent, bei den Holländerinnen 30 Prozent, bei den US-Amerikanerinnen 49 Prozent.

Thomas Steffens, SCC EVENTS

 

Übrigens: Am 16. Mai ist Meldeschluss für den AVON Frauenlauf Berlin. Mehr Informationen hier.


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Hintergrundillustration: Visualisierung Bloomimages GmbH

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